Ihre Rechte als Opfer

Rechte der Opfer einer Straftat, insbesondere häuslicher Gewalt: Wenn Sie durch die Straftat eines anderen verletzt wurden, haben Sie verschiedene Rechte, die Sie kennen und auch nutzen sollten. Insbesondere können Ihnen Anwälte ganz erheblich bei der Wahrnehmung Ihrer Rechte als Opfer einer Straftat behilflich sein sowie Schutzverbände als Unterstützung insgesamt dienen.

In diesem Beitrag erhalten Sie eine erste Übersicht über Ihre inzwischen recht weitreichenden Rechte als Verletzte/r einer Straftat – am Ende der Seite findet sich auch eine Übersicht mit häufigen Fragen und Anworten sowie Flyer und weiterführende Downloads.Dazu auch Opferanwalt.eu.

Sind Sie in Not oder Sorge – suchen Sie Hilfe, man hilft Ihnen gerne:

Strafanzeige erstatten

So einfach es klingt ist es doch für viele ein schwerer Schritt – die Erstattung der Strafanzeige und die damit verbundene Offenbarung des Sachverhalts, gerade aber nicht nur bei Sexualstraftaten. Dabei gilt: Wenn Sie eine Strafanzeige erstattet haben, können Sie diese nicht mehr einfach zurücknehmen, denn die Ermittlungsbehörden müssen grundsätzlich jede angezeigte Straftat verfolgen.

Schutz durch das Recht

Sie werden in Ihrer körperlichen Integrität und Ihrem Lebensumfeld durch eine Vielzahl von gesetzlichen Regelungen geschützt. So ist die Verletzung des Körpers eine Straftat, ebenso wie bereits das “Nachstellen”, das so genannte “Stalking” eine Straftat darstellt. Während das Strafrecht erst repressiv auf bereits begangenes Verhalten reagiert, sind Sie im Bereich des Gewaltschutzes auch geschützt insofern, als dass vorbeugend Rechtsschutz vor eventuell zu erwartendem Verhalten erzielt werden kann. Dabei geht es nicht nur um physische Übergriffe sondern auch um psychische Übergriffe, auch im rein digitalen Umfeld. Ergänzt wird das Ganze durch zivilrechtlichen Schutz und Ansprüche auf Unterlassung, Beseitigung, Schmerzensgeld und Schadensersatz.

Informationen

In unserem Rechtssystem hat man längst erkannt, dass das Opfer einer Straftat eben nicht nur “Geschädigter” und “Zeuge” ist, sondern dass es eigene Rechte bedarf um seine Sphäre zu schützen. Zuvorderst sind hier Rechte auf Information zu nennen, so haben Opfer einer Straftat insbesondere folgende Rechte:

  • Ausstellung der schriftlichen Bestätigung der Strafanzeige.
  • Mitteilung über eventuelle Einstellung des Verfahrens
  • Mitteilung über erhobene Vorwürfe, Ort und Zeitpunkt des Verfahrens
  • Mitteilung über den Ausgang des Verfahrens
  • Mitteilung über Haft des Beschuldigten
  • Mitteilung über ein eventuelles Kontaktverbot

Als Zeuge nicht alleine sein

Als Opfer einer Straftat wird Ihre Zeugenaussage benötigt werden; selbst bei einem voll geständigen Täter wird sich das Gericht einen Überblick darüber verschaffen wollen, wie es Ihnen heute mit der Tat geht und welche Folgen sich für Sie ergeben haben, da es sich hierbei um Strafzumessungsfaktoren handelt. In dieser Situation müssen Sie nicht alleine sein, Sie können eine Begleitung mitbringen, natürlich auch einen Rechtsanwalt, der Ihnen zur Seite steht. Darüber hinaus gibt es bei Sexualdelikten die Möglichkeit der psychosozialen Betreuung (dazu siehe die FAQ am Ende des Beitrag). Darüber hinaus beachten Sie den Beitrag “Ihre Rechte als Zeuge”.

Was tun bei häuslicher Gewalt?

“Häusliche Gewalt” ist Gewalt – in einem Bereich, der von Vertrauen und Schutz geprägt sein sollte. Den Opfern häuslicher Gewalt wird auf vielfältige Weise geholfen, insbesondere kann die hinzugerufene Polizei noch vor Ort sofort eine Wohnungsverweisung aussprechen. Beachten Sie des Weiteren bitte unten meine FAQ-Eintrag “Was tun bei häuslicher Gewalt”.

Wenn Sie als Frau aus dem Haushalt geflüchtet sind und nicht weiter wissen: Rufen Sie die Nummer der Frauenhäuser in der Städteregion Aachen unter 02404 / 91 00 0 an!

Anwaltlich im Zuge der Nebenklage vertreten lassen

Bei bestimmten Taten oder Tatfolgen steht Ihnen die Möglichkeit offen, sich als Nebenkläger dem Verfahren anzuschliessen: Sie haben dann eigene Verfahrensrechte und können neben der Staatsanwaltschaft gesondert als Verfahrensbeteiligter auftreten bzw. sich hierbei durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen (zu den Voraussetzungen und besonderen Rechten siehe die FAQ am Ende des Beitrags).

Wenn Sie anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, können Ihnen Kosten entstehen. Wird der bzw. die Angeklagte verurteilt, muss dieser die Rechts­anwaltskosten übernehmen. Weil dies wohl selten zum Erfolg führt gibt es besondere Regelungen:

  • Bei schweren Gewalt- oder Sexualstraftaten können Sie einen Rechtsanwalt auf Staatskosten zur Wahrnehmung Ihrer Rechte beigeordnet bekommen;
  • Wenn Sie zur Nebenklage berechtigt sind ohne dass es sich um eine mögliche Beiordnung auf Staatskosten handelt, kann eine Tätigkeit im Rahmen von Prozesskostenhilfe in Betracht kommen.

Lassen Sie sich an diesem Punkt beraten, Sie erhalten bei Bedürftigkeit einen Beratungshilfeschein oder auch sonst eventuell einen Beratungsscheck von Opfer-Organisationen wie dem Weissen Ring e.V. In unserer Kanzlei ist die erste Einschätzung ob eine Tätigkeit sinnvoll ist (ohne Beratung zur Sache im Übrigen) ohnehin kostenlos, so dass Sie als Opfer einer Straftat ohne Kostenrisiko bei uns einen Termin vereinbaren können.

Schadensersatz und Schmerzensgeld

Sie werden eventuell Schmerzen erlitten haben – auch psychische Beeinträchtigungen sind hier relevant – wie Sie möglicherweise einen materiellen Schaden erlitten haben. Ihnen stehen hier Schadensersatz und Schmerzensgeld zu, die unmittelbar im Strafprozess im Zuge des so genannten “Adhäsionsverfahrens” geltend gemacht werden können. Die Höhe des Schmerzensgeldes ist vom Einzelfall abhängig, unsere Kanzlei ist auch hier behilflich – eine kleine Schmerzensgeldtabelle finden Sie bei uns für einen interessierten ersten Einblick.

Rechte von Angehörigen

Wenn jemand getötet wird, können nahestehende Angehörige als Nebenkläger auftreten und haben in diesem Fall die Möglichkeit eigene Verfahrensrechte wahrzunehmen.

Links Zum Thema Opferschutz

  • Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org
  • Infoportal des Familienministeriums: www.bmjv.de/opferschutz
  • Portal für Kinder: www.gewalt-ist-nie-ok.de